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Abhängigkeit und Nebenwirkungen:

 

Schmerztherapie mit Opioiden

Schmerztherapie mit Opioiden gehört in die Hände von Spezialisten

 

Sie heißen Tramadol oder Tilidin, Fentanyl oder Oxycodon und gehören zur Wirkstoffgruppe der Opioide. Für Patienten mit mittelstarken bis starken Schmerzen sind sie aus der Schmerztherapie kaum noch wegzudenken.

 

Neben ihren erwünschten schmerzhemmenden Eigenschaften weisen Opioide jedoch zwei Besonderheiten auf: Erstens bergen sie ein hohes Suchtpotenzial, wenn sie missbräuchlich oder falsch angewendet werden. Und zweitens kommt es bei bestimmungsgemäßer Anwendung in vielen Fällen zu Nebenwirkungen wie Schwindel, Übelkeit oder einer Opioid-induzierten Verstopfung. Worauf es bei der Therapie mit Opioiden ankommt und wie sich die Nebenwirkungen behandeln lassen, dazu informierten Schmerztherapeuten am Lesertelefon. Die wichtigsten Fragen und Antworten gibt es hier zum Nachlesen:

 

Wann machen Opioide abhängig?

Prof. Dr. med. Martin Storr: Schmerzmittel vom Opioid-Typ haben immer dann ein Abhängigkeitspotenzial, wenn sie nicht bestimmungsgemäß und ohne ärztliche Kontrolle angewendet werden. Unter ärztlicher Kontrolle eingenommen, korrekt dosiert, im niedrigst-notwendigen Bereich, sind Opioide sichere Schmerzmittel, deren Abhängigkeitspotenzial zwar beachtet aber auch nicht überbewertet werden sollte.

 

Wie muss die Schmerztherapie aussehen, damit eine psychische Abhängigkeit vermieden wird?

Ulf Schutter: Es sollen in der Regel nur retardierte Präparate zum Einsatz kommen. Die Einnahme muss nach der Uhr und nicht nach Bedarf vorgenommen werden. So erreicht man gleichmäßige Serumspiegel. Schwankende Serumspiegel bergen das Risiko psychischer Abhängigkeit. Schnellfreisetzende Opioide dürfen ausschließlich als Schmerzspitzenmedikation im Ausnahmefall und nur selten eingesetzt werden.

 

Kommt es zu Entzugserscheinungen, wenn Opioide wieder abgesetzt werden?

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz: Wird die Opioidgabe abrupt beendet, ist das Auftreten von Entzugserscheinungen sehr wahrscheinlich. Zeichen von Entzugserscheinungen sind beispielsweise Unruhe, Schlaflosigkeit, Blutdruckprobleme, Schwitzen, Durchfall und Schmerzwahrnehmungen im gesamten Körper.

 

Was versteht man unter einer Opioid-Rotation?

Ulf Schutter: Kommt es unter der Opioidtherapie zu intolerablen Nebenwirkungen oder einem Wirkungsverlust eines Opioids, "rotiert", beziehungsweise wechselt man auf eine andere Substanz in wirkungsgleicher Dosis.

 

Werden Opioide bei allen Arten von Schmerzen eingesetzt?

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz: Opioide sind bei den sogenannten nozizeptiven Schmerzen wirksam, zum Beispiel Schmerzen durch Gelenkarthrose oder Muskelschmerzen. Ich bezeichne diese Schmerzen auch als „Gewebeschmerz“. Hierbei werden spezifische Schmerzfühler aktiviert und es kommt zur Schmerzwahrnehmung. Eine andere Schmerzart stellt der neuropathische Schmerz dar, der durch Störung oder Schädigung von Nerven entsteht, zum Beispiel ausstrahlende Schmerzen bei Bandscheibenvorfall oder Schmerzen im Rahmen eines Herpes Zoster. Hierbei helfen Opioide – am besten in Kombination mit weiteren Substanzen – bei einer Untergruppe von Patienten.

 

Wie lange dauern Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit nach Beginn der Opioid-Therapie an?

Ulf Schutter: In der Regel und bei angepasster Dosierung verschwinden diese Nebenwirkungen innerhalb von ein bis zwei Wochen. In dieser Zeit kann ein Zusatzmedikament gegen Übelkeit hilfreich sein.

 

Warum verursachen Opioide eine Verstopfung?

Prof. Martin Storr: Opioide entfalten im zentralen Nervensystem schmerzlindernde Effekte, indem sie Rezeptoren besetzen, die für die Schmerzübermittlung verantwortlich sind. Allerdings besetzen Opioide Rezeptoren auch an anderen Stellen, zum Beispiel im Darm. Eine sehr bedeutende Nebenwirkung ist deshalb die Opioid-induzierte Verstopfung. Diese auch OIC genannte Form der Verstopfung entsteht, weil Opioide die Muskelaktivität des Darms reduzieren, den Flüssigkeitsgehalt des Stuhlgangs reduzieren und den Druck im Schließmuskel erhöhen. Die Opioid-induzierte Verstopfung tritt sehr häufig auf, unabhängig von Dosierung und Anwendungsform. Zudem unterliegt sie leider keiner Gewöhnung, ist also unbehandelt ein dauerhaftes Problem.

 

Helfen Abführmittel oder soll ich die Dosis der Schmerzmedikamente reduzieren?

Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz: Die Dosis der Schmerzmedikamente zu reduzieren würde bedeuten, die medikamentöse Schmerztherapie zu verringern. Damit käme es zu einer erneuten Schmerzverstärkung, die durch die Therapie ja gerade verhindert werden soll. Besser ist es, das Symptom der opioidbedingten Verstopfung mit Mitteln gegen diese Verstopfung zu behandeln, also mit Abführmitteln oder Opiatgegenspielern.

 

Wie kann die OIC behandelt werden?

Prof. Dr. med. Martin Storr: An vorderster Stelle stehen Allgemeinmaßnahmen wie die Steigerung der körperlichen Aktivität, Erhöhung der Trinkmenge und des Ballaststoffanteils. Zusätzlich ist bei der OIC ein Abführmittel angeraten. Oftmals reichen diese Maßnahmen jedoch nicht aus. Dann können Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der PAMORA zum Einsatz kommen, die speziell für Patienten mit einer OIC entwickelt wurden. Die Studienlage und die klinischen Erfahrungen mit der Medikamentengruppe der PAMORA sind bei einer OIC sehr positiv.

 

Verringert sich dadurch die Wirksamkeit des Schmerzmittels?

Prof. Dr. med. Martin Storr: Nein, das ist das spannende an diesen PAMORAs: Sie wirken nur in der Peripherie, also dort wo die Nebenwirkungen entstehen, die aufgehoben werden sollen. Der schmerzstillende Effekt von Opioiden im Zentralnervensystem, wird durch PAMORAs nicht beeinflusst.

 

 

Infokasten

 

Opioid-Therapie:

Ratgeber für verträgliche Anwendung

 

Die Deutsche Schmerzliga e.V. bietet auf Ihrer Internetseite einen Ratgeber, der Patienten und Angehörige bei der verträglichen Anwendung von Opioiden unterstützen soll. In der Broschüre finden sich umfassende Informationen zu den Grundlagen der Schmerztherapie mit Opioiden, zu Behandlungsmöglichkeiten des Schmerzes und möglichen Nebenwirkungen wie der Opioid-induzierten Verstopfung sowie nützliche Tipps für den Alltag mit Opioiden.

 

Ü http://schmerzliga.de/broschueren.html

 

 

Die Experten am Lesertelefon waren:

 

  • Prof. Dr. med. Martin Storr; Facharzt für Gastroenterologie, Innere Medizin, Proktologie, Zentrum für Endoskopie Starnberg
  • Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Wirz; Facharzt für Anästhesie, Intensivmedizin, Palliativmedizin und Schmerztherapie, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie, Interdisziplinäre Intensivmedizin, Schmerzmedizin/Palliativmedizin – Zentrum für Schmerzmedizin, Lehrbefugter an der Universitätsklinik Bonn, CURA - katholisches Krankenhaus im Siebengebirge, Bad Honnef
  • Ulf Schutter; Facharzt für Anästhesiologie, Allgemeinmedizin, Spezielle Schmerztherapie, Palliativmedizin, Leitender Notarzt, Praxis für Schmerztherapie, Marl, Leitender Arzt der Multimodalen Schmerztherapie am Marienhospital Marl

 

 

Quelle: pr | nrw, Foto: StockfotosMG, Fotolia.com.



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