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„Immuntherapie bei allergischem Asthma ist sinnvoll“

Heuschnupfen & Asthma | Quelle: clipdealer

Expertentipps rund um Pollenallergie und Asthma

22 Grad im Schatten, 10 Stunden Sonne am Stück, eine leichte Brise – so muss der Frühling sein! Doch nicht jeder freut sich über den Beginn der warmen Jahreszeit. Rund 16 Prozent der Bevölkerung leiden nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) an einer Pollenallergie – das sind über 13 Millionen Kinder und Erwachsene.

  

Was bisweilen als Lappalie abgetan wird, kann die Lebensqualität der Betroffenen wesentlich mindern. Und wer nicht rechtzeitig gegensteuert, riskiert die Entwicklung eines allergischen Asthma bronchiale, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung der Lunge. Wie sich ein solcher „Etagenwechsel“ vermeiden lässt und was Betroffene über die Behandlung von Pollenallergie und allergischem Asthma wissen sollten, dazu informierten Experten am Lesertelefon in Zusammenarbeit mit dem DAAB. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

 

Allergie, Asthma und Immuntherapie

Wie kann man einen Schnupfen bei einer Erkältung und einen Schnupfen durch eine Allergie unterscheiden?

Dr. Hartmut Timmermann: Besonders bei einem erstmals auftretenden Heuschnupfen kann die Differentialdiagnose selbst für den Erfahrenen durchaus schwierig sein. Wenn Sie aber bereits über mehrere Jahre zur gleichen Jahreszeit immer wieder Beschwerden im Bereich der Nasen- und Augenschleimhäute haben, spricht dies für einen allergischen Schnupfen. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum jeden Morgen mit Reizungen der Nasen- oder Augenschleimhäute oder mit Schnupfen aufwachen, kann das auf einen allergischen Schnupfen durch eine Hausstaubmilbenallergie hinweisen. Klarheit geben in allen Fällen spezifische Allergietestungen.

 

Ist ein Asthma immer auf eine Pollenallergie zurückzuführen oder gibt es andere Auslöser?

Dr. Hartmut Timmermann: Nicht jedes Asthma ist allergisch bedingt – die entzündlichen Prozesse können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel Infektionen oder die Einnahme bestimmter Medikamente. Wir beobachten in unserer Praxis allerdings eine deutliche Zunahme von Patienten, die sich mit Asthmabeschwerden vorstellen und früher unter einer allergischen Rhinopathie – also Heuschnupfen – litten.

 

Ist eine jährliche Kortisonspritze gegen Heuschnupfen sinnvoll?

Dr. Hartmut Timmermann: Diese früher häufig ausgeübte Praxis gilt heute als kontraindiziert. Gründe hierfür sind langfristige Risiken einer solchen Kortisonbehandlung, insbesondere eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer Osteoporose. Zudem kann es, wenn auch selten, zu schweren Abszessbildungen in der Muskulatur an der Injektionsstelle kommen.

 

Wann kommt eine Hyposensibilisierung infrage?

Prof. Eckard Hamelmann: Für eine spezifische Immuntherapie mit Allergenen zur Herabsetzung der allergischen Reaktion müssen eine Reihe von Bedingungen erfüllt sein. Zunächst muss eine allergische Sensibilisierung nachgewiesen sein, also der Zusammenhang zwischen Heuschnupfen oder allergischem Asthma und dem auslösenden Allergen gesichert sein. Zweitens muss ein Mittel zur Immuntherapie zur Verfügung stehen, dessen Wirksamkeit und Sicherheit in Studien bestätigt werden konnte. Das Mindestalter für eine Immuntherapie beträgt fünf Jahre.

 

Kann man eine Hyposensibilisierung durchführen, wenn bereits ein allergisches Asthma vorliegt?

Prof. Eckard Hamelmann: Viele Betroffene denken noch immer, bei einem Asthma sei die Immuntherapie ausgeschlossen. Im Gegenteil: Bei einem nachgewiesenen allergischen Asthma ist sie sogar angezeigt. Denn durch eine erfolgreiche spezifische Immuntherapie lässt sich die notwendige Dosis an inhalativen Steroiden oftmals vermindern, die Anzahl der unerwarteten Asthmaanfälle reduzieren und die Asthma-Kontrolle insgesamt verbessern. Voraussetzung ist allerdings, dass das Asthma durch eine symptomatische Behandlung mindestens teilweise, besser noch vollständig kontrolliert werden kann.

 

Ich bin 60 Jahre und Asthmapatient. Außerdem habe ich einen hohen Blutdruck, der mit einem Betablocker behandelt wird. Jetzt habe ich gelesen, das könne für Asthmatiker problematisch sein.

Dr. Hartmut Timmermann: Diese Information stimmt. Ein Teil der Asthmatiker reagiert auf Betablocker mit einer Verengung der Atemwege, insbesondere bei Verschlechterung des Krankheitsbildes. Hier ist eine Umstellung auf einen anderen Wirkstoff zur Behandlung des Bluthochdrucks zu empfehlen.

 

Selbstmanagement

Was mache ich bei akuter Atemnot?

Elke Alsdorf: Gut gewappnet sind Sie mit einem Notfallplan, den Sie im Rahmen einer Patientenschulung oder zusammen mit Ihrem behandelnden Arzt erstellen. Darin steht, welche Akut-Medikamente wie eingenommen werden und welche atemerleichternden Körperstellungen helfen. Dazu zählt zum Beispiel die so genannte Lippenbremse, eine Atemtechnik, die Sie in einer Asthma- oder Atemschulung erlernen können. Aus dem Notfallplan geht auch hervor, wann Sie einen Notarzt rufen sollten. Wichtig ist es, nach einem Anfall akuter Atemnot zu klären, wie und warum er aufgetreten ist. Möglicherweise ergibt sich daraus die Notwendigkeit, ihre medikamentöse Therapie anzupassen.

 

Muss ich meine Medikamente immer nehmen?

Elke Alsdorf: Die Asthmatherapie steht auf zwei Säulen: den bronchienerweiternden Medikamenten zur Behandlung akuter Beschwerden wie Atemnot und den antientzündlichen Medikamenten, die regelmäßig und dauerhaft zur Langzeitkontrolle des Asthma eingesetzt werden. Ohne diese regelmäßige Behandlung schwelt die Entzündung der Bronchien vor sich hin und sorgt für eine langsame kontinuierliche Verschlechterung. Das Prinzip der medikamentösen Behandlung folgt dem Motto „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“. Ziel ist es, eine normale Lebensqualität trotz Asthma zu erreichen.

 

Ich habe von meinem Arzt einen Peak-Flow-Meter bekommen. Was mache ich damit?

Elke Alsdorf: Mit dem Peak-Flow-Meter überprüfen Sie, wie „weit“ ihre Atemwege sind, indem Sie die Ausatmungsgeschwindigkeit messen. Die Messwerte werden zwei- bis dreimal täglich in ein Peak-Flow-Tagebuch eingetragen. Anhand eines Ampelschemas erhalten Sie so Informationen über Ihren Krankheitszustand. Das Ampelschema erarbeiten Sie gemeinsam mit Ihrem behandelnden Facharzt. Dieser unterstützt Sie auch bei der Ermittlung Ihres persönlichen Bestwerts. Ein Peak-Flow-Tagebuch können Sie kostenlos beim Deutschen Allergie und Asthmabund e.V. anfordern (siehe Infokasten).

 

Kann ich durch eine Schulung mein Asthma besser in Griff bekommen?

Elke Alsdorf: Wir wissen heute, dass die Patienten selbst einen entscheidenden Anteil an der Kontrolle ihres Asthmas und der Verbesserung ihrer Lebensqualität haben. Das Stichwort lautet Selbstmanagement, also die Fähigkeit, die Erkrankung durch eigenes Zutun positiv zu beeinflussen. Asthmaschulungen verbessern die Kompetenz, Warnsignale oder Schwankungen wahrzunehmen und sofort gezielt zu reagieren. Inhalte der Schulungen sind unter anderem die korrekte Handhabung der Inhalationsgeräte, spezielle Atemtechniken, der Notfallplan, die Vermeidung von Allergieauslösern sowie das Verhindern von Einflüssen, die zu einer Verschlechterung des Krankheitsbilds führen können. Die Schulungen werden im Rahmen der so genannten Disease-Management-Programme kostenfrei angeboten.

 

Kinder

Mein Kind bekommt manchmal Atemnot, wenn es am Schulsport teilnimmt. Kann das auch ein Asthma sein? Ist es richtig, wenn ich das Kind vom Schulsport befreien lasse?

Prof. Eckard Hamelmann: In der Tat zählt körperliche Anstrengung zu den möglichen Auslösern von Asthma bronchiale – neben anderen wie Kälte, Stress oder Allergenen in der Luft oder in Nahrungsmitteln. Ob es sich um ein Asthma handelt oder die Atemnot andere Ursachen hat, lässt sich diagnostisch gut abklären. Steckt ein Asthma dahinter, muss die zugrunde liegende Atemwegsentzündung mit entzündungshemmenden Mitteln behandelt werden. In der Regel handelt es sich dabei um Kortikosteroide, die inhaliert werden. Ist die Therapie richtig „eingestellt“ sollte eine Verengung der Atemwege bei körperlicher Belastung nicht mehr auftreten – und ihr Kind kann wieder am Schulsport teilnehmen.

 

Mein Kind wird mit Kortison behandelt. Ich habe Angst davor, dass es das Kortison ständig nehmen muss. Gibt es eine Alternative dazu?

Prof. Eckard Hamelmann: Dazu sollten Sie wissen, dass Kortison bei der Behandlung von Asthma bronchiale in einer sehr geringen Dosierung verabreicht wird. Während ein typisches Kortison-Zäpfchen für Babys 100 mg Wirkstoff enthält, sind es bei einem typischen Asthma-Spray für Kleinkinder und Schulkinder 100 µg – also nur ein Tausendstel. Zudem wirkt ein inhalatives Kortison gezielt in der Lunge und wird nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Dennoch sind bei einer Langzeitanwendung mögliche Nebenwirkungen zu beachten, insbesondere die Entwicklung der Körperlänge. Außerdem beobachten wir Pilzinfektionen oder Herpes-Neigung im Mund- und Rachenbereich, die aber durch eine korrekte Inhalationstechnik vermieden werden können. Alle Patienten sollten deshalb unbedingt eine Schulung zur Inhalationstechnik besuchen.

 

Ernährung

Was hat ein Heuschnupfen mit der Ernährung zu tun?

Christiane Schäfer: Auf den ersten Blick wenig, aber wenn es um die Auslöser des Heuschnupfens geht, ergeben sich Gemeinsamkeiten. Denn in Nahrungsmitteln können Stoffe enthalten sein, die den Allergenen sehr ähnlich sind, die über die Atemluft aufgenommen werden. Nimmt ein Patient mit Heuschnupfen ein solches Nahrungsmittel zu sich, kann dies die allergischen Symptome verstärken. Heute wissen wir, dass es keine allgemeingültigen Empfehlungen gibt, nach denen einzelne Nahrungsmittel vermieden werden sollten. Vielmehr müssen solche Empfehlungen individuell erarbeitet werden, nicht zuletzt, weil zu viel Karenz – also Vermeidung des Allergenkontakts – zu mehr allergischen Reaktionen führen kann.

 

Kann ich durch eine bestimmte Ernährung einem Asthma vorbeugen?

Christiane Schäfer: Zunächst einmal zeigt die heutige Studienlage keine belastbaren Hinweise darauf, dass sich ein allergisches Asthma durch eine gesunde Ernährung grundsätzlich verhindern lässt. Das bedeutet umgekehrt natürlich nicht, dass man auf sie verzichten sollte, denn eine Fehlernährung verschlechtert die Nährstoffbilanz – mit weit reichenden Konsequenzen für den Organismus insgesamt. Liegt bei einem Patienten allerdings bereits ein allergisches Asthma vor, kann Ernährung ein Faktor sein, sein Asthma zu stabilisieren. Sie kann aber auch Auslöser für ein Asthma sein: Reagiert beispielsweise ein Kind allergisch auf Erdnuss, ist eines der häufigsten auftretenden Symptome das Asthma. Deshalb sollten alle Patienten mit einer Allergie oder allergischem Asthma über mögliche auslösende Ernährungsfaktoren konsequent aufgeklärt werden.

 

Was hat Vitamin D mit Asthma zu tun?

Christiane Schäfer: Es gibt Hinweise, dass Asthmapatienten mit einem Vitamin D-Mangel schwerere Asthmasymptome zeigen können. Allerdings scheint dies eher für Asthmapatienten zu gelten, die eine systemische Steroidtherapie erhalten, denn die Lungenfunktion wurde bei diesen Patienten durch den Vitamin D-Status nicht beeinflusst. Wir hoffen, dass weitere Studien diese Zusammenhänge klarer herausarbeiten und sich daraus möglicherweise Empfehlungen zur Ernährung und Vitaminzufuhr ableiten lassen.

 

 

Infokasten zum Nachbericht

 

Wissen schafft Gesundheit

DAAB informiert zu Pollenallergie und Asthma

 

Informationen zu Allergien und Asthma sammeln, einordnen und verfügbar machen, damit Betroffene Nutzen für mehr Lebensqualität daraus ziehen können – so lässt sich die Arbeit des Deutschen Allergie- und Asthmabunds (DAAB) zusammenfassen. Dazu arbeitet der DAAB eng mit europäischen Patienten- und Ärzteverbänden zusammen, engagiert sich in Forschungsprojekten und Gesundheitspolitik. Die Erkenntnisse und Ergebnisse kommen den betroffenen Kindern und Erwachsenen in Form von praxisrelevantem Wissen zu, das sowohl in der direkten Beratung als auch auf der Internetseite des DAAB gebündelt wird.

 

www.daab.de

 

 

Ergänzendes Material zum Nachbericht:

Statement Andrea Wallrafen, Geschäftsführerin des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e.V. (DAAB)

 

„Alles andere als eine Bagatelle“

DAAB fordert Umdenken beim Thema Pollenallergie

 

„Die Pollenallergie als am weitesten verbreitete Allergieform steht stellvertretend für das Dilemma des allergischen Verbrauchers: Seine Erkrankung wird bagatellisiert und auf „das bisschen Niesen“ reduziert, obgleich monatelange, vielfältige Beschwerden die Regel sind.

Hinzu kommt: Aus einem nicht ausreichend therapierten Heuschnupfen kann ein chronisches Asthma entstehen.

 

Darüber hinaus reagieren mehr als 60 Prozent der Pollenallergiker auch auf Nahrungsmittel. Die Beschwerdezeit beträgt bei vielen Betroffenen inzwischen mehrere Monate bis hin zu ganzjährigen Symptomen. Und dennoch finden die Betroffenen kaum einen Termin beim Facharzt, werden in die Selbstmedikation geleitet, vom Umfeld nicht ernst genommen und leiden unter einer deutlich eingeschränkten Lebensqualität. Hier ist ein Umdenken mehr als angezeigt.“

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Andrea Wallrafen ist Geschäftsführerin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. (DAAB), der sich als Patientenorganisation seit 1897 für die Belange von Kindern und Erwachsenen mit Allergien, Asthma, Neurodermitis und Urtikaria einsetzt.

 

 

Die Expertinnen am Lesertelefon waren:

 

  • Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann; Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder-Pneumologie, Allergologie und Infektiologie; Immunologe; Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderzentrum Bielefeld; 1. Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie
  • Dr. med. Hartmut Timmermann; Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Schlafmedizin und Allergologie; Schwerpunktpraxis Colonnaden, Hamburg
  • Dipl. oec. troph. Christiane Schäfer; Selbstständige Ernährungstherapeutin mit den Schwerpunkten Allergologie und Gastroenterologie, Hamburg
  • Elke Alsdorf; Asthma- und COPD-Trainerin, Leiterin von Schulungen für Patienten und Trainer, Gesundheitspolitische Botschafterin des DAAB, Referentin zu den Themenschwerpunkten Asthma, COPD und Allergien, Bengerstorf

 

Quelle: pr | nrw, Foto: Clipdealer



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