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Unbeschwert den Urlaub genießen – Dank reisemedizinischer Vorbereitung

ImpfwocheReisemediziner am Lesertelefon: Was gegen Viren, Mücken, Zecken & Co. hilft

Sommerzeit ist Reisezeit – und dabei überlassen die Deutschen nichts dem Zufall. Schon lange vor der Urlaubssaison werden Reiseziele recherchiert, Angebote und Sehenswürdigkeiten gecheckt, Hotels und Mietwagen gebucht.

  

Nur das Thema Gesundheit gerät bei all der Vorfreude leicht in Vergessenheit. Warum es sich lohnt, rechtzeitig an reisemedizinische Vorbereitungen zu denken, worauf es dabei ankommt und wie man sich auf Reisen gegen Krankheitserreger wirksam schützen kann, dazu berieten Reisemediziner am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

 

Sieben Tage Mittelmeer-Kreuzfahrt – brauche ich da einen Hepatitis A-Impfschutz?

Prof. Karl-Heinz Herbinger: Klare Empfehlung: Unbedingt! Dabei dürften die Ansteckungsrisiken weniger an Bord zu finden sein, sondern vielmehr bei den Landgängen: Eiswürfel in Getränken, Salate, Meeresfrüchte – vor allem Muscheln, aber auch getrocknete Tomaten sowie Speisen und Getränke, bei denen nicht abgekochtes Trinkwasser im Spiel ist. All das lässt sich nur schwerlich sicher vermeiden. Zwar kommt es bei einer Hepatitis A-Infektion nur sehr selten zu schweren Krankheitsverläufen, aber es handelt sich nun einmal um eine Entzündung der Leber mit äußerst unangenehmen Symptomen wie Übelkeit, Brechreiz, Durchfall und Schmerzen im Oberbauch. Zudem kommt es zu einer Gelbfärbung der Haut – daher die Bezeichnung Gelbsucht.

 

Wann soll die Hepatitis-Impfung erfolgen – und besteht dann sofort ein vollständiger Impfschutz?

Dr. Albrecht von Schrader-Beielstein: Hier muss zwischen Hepatitis A und B unterschieden werden: Gegen Hepatitis A kann notfalls noch am Tag der Abreise geimpft werden. Zwar braucht der Impfstoff 12 bis 15 Tage, bis er zuverlässig schützt, aber die Inkubationszeit ist mit 14 bis 50 Tagen noch länger, sodass Sie auch dann noch auf der sicheren Seite sind. Für den langfristigen Impfschutz sind, je nach Impfstoff, insgesamt zwei oder drei Injektionen erforderlich. Gegen Hepatitis B, die hauptsächlich durch Blut- und Schleimhautkontakt übertragen wird, muss zweimal im Abstand von einem Monat vor der Abreise geimpft werden. Auch hier ist eine weitere Impfung nach sechs Monaten zum Erreichen eines über zehn Jahre andauernden Impfschutzes notwendig. Bei kurzfristigen Reiseplänen kann ein Impfschutz auch mit drei Impfungen innerhalb von drei Wochen erreicht werden. Dann ist eine vierte Dosis zwölf Monate nach der ersten Impfung erforderlich.

 

Wie lange hält der Impfschutz an?

Prof. Herbinger: Auch hier muss zwischen Hepatitis A und B unterschieden werden. Hepatitis B: Üblicherweise erhalten erwachsene Menschen nach dem Abschluss einer erfolgreichen Grundimmunisierung keine Auffrischimpfung mehr. Nur bei Risikogruppen sollte vorsorglich kontinuierlich ein schützender Antikörperspiegel bestimmt werden. Hepatitis A: Der Impfschutz hält in der Regel für mindestens zehn Jahre an.

 

Gibt es eine Kombinationsimpfung gegen beide Typen?

Prof. Herbinger: Es sind sowohl Mono-Impfstoffe jeweils gegen Hepatitis A und B als auch Kombinations-Impfstoffe verfügbar.

 

Gibt mein Impfpass Auskunft über Impflücken, die ich vor dem Urlaub schließen sollte?

Dr. von Schrader-Beielstein: Der Impfpass ist die wichtigste Grundlage, auf der sich vorbeugende Maßnahmen planen lassen. Die von der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut empfohlenen Routineimpfungen decken bereits eine Reihe von möglichen Reiserisiken ab, zum Beispiel Tetanus, Diphtherie, Hepatitis B oder Polio. Zusätzlich sind im Impfpass weitere Schutzimpfungen wie Tollwut, die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Influenza aufgeführt. Um zu wissen, welche Impfung Sie in Abhängigkeit von Ihrem Reiseziel benötigen, nehmen Sie Ihren Impfpass einfach zur reisemedizinischen Beratung mit und lassen Sie mögliche Impflücken rechtzeitig vor Reiseantritt schließen. Idealerweise vereinbaren Sie einen Beratungstermin etwa fünf bis sechs Wochen vor Reisebeginn.

 

Stichwort Zecken: Für wen empfiehlt sich eine Impfung gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)?

Dr. Wolf Groth: Eine Impfung gegen FSME empfehlen wir bei Aufenthalten oder Urlauben in Gebieten, in denen Zecken dieses Virus in sich tragen. Das gilt insbesondere bei häufigen Aktivitäten in der freien Natur, wie zum Beispiel beim Wandern, Zelten oder Fahrradfahren. Eine aktuelle Karte der Verbreitungsgebiete in Deutschland finden Sie beim Robert Koch-Institut unter www.rki.de. Weitere FSME-Regionen sind Österreich, Schweiz, Osteuropa und Südskandinavien, aber auch Gebiete in Asien gehören dazu. Die „Zeckenzeit" erstreckt sich etwa von März bis Oktober.

 

Und was hilft gegen die Infektion mit Borrelien?

Dr. Anne Kuhn: Die Borreliose ist im Gegensatz zu der FSME eine Erkrankung, die durch Bakterien verursacht wird und gegen die es bis heute weder eine Impfung noch eine medikamentöse Prophylaxe gibt. Sie kommt weitaus häufiger vor als FSME, weil jede Zecke ansteckend sein kann. Schutz bietet das Tragen von langer Kleidung, geschlossenem Schuhwerk und Strümpfen, die idealerweise auch mit einem permethrinhaltigen Insektenspray imprägniert sind. Freie Hautareale können mit einem DEET-haltigen Insektenspray eingesprüht werden. Kommt es trotzdem zu einem Stich, muss die Zecke schnellstmöglich entfernt werden. Dabei die Zecke nicht drehen oder quetschen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Im Falle einer Infektion kann die Borreliose mit einem Antibiotikum behandelt werden.

 

Wann ist ein Impfschutz gegen Tollwut sinnvoll?

Dr. Groth: Eine Impfung gegen Tollwut ist in Ländern empfohlen, die Tollwutfälle bei Menschen und Tieren melden. Auf dieser Liste steht Indien ganz oben, aber China und Nepal sowie Länder in Südamerika und Afrika melden ebenfalls Fälle. Interessanterweise gibt es Länder und Gebiete, in denen Menschen häufiger von Tieren gebissen oder gekratzt werden, zum Beispiel Regionen in Südostasien oder Bali in Indonesien. Je einfacher der Reisestil – Beispiel Rucksackreise – desto eher raten wir zu dieser Impfung. Weitere Risikofaktoren sind Reisen in ländliche Gebiete oder längere Aufenthalte.

 

In welchen Ländern besteht eine Gelbfieber-Impfpflicht?

Dr. Groth: Zumeist sind es tropische Regionen Afrikas und Südamerikas, in denen die Gelbfiebermücke dieses Virus übertragen kann. In einigen dieser Länder ist eine Gelbfieberimpfung dringend erforderlich und eine Nicht-Impfung kann dazu führen, dass eine Einreise verweigert oder kein Visum ausgestellt wird. Probleme gibt es immer wieder auf Kreuzfahrten oder Rundreisen, also wenn mehrere dieser Länder bereist werden und der Impfschutz jeweils bei der Einreise kontrolliert wird. Das betrifft zum Beispiel in Afrika Kenia und Tansania, in Südamerika Peru und Bolivien sowie Panama in Mittelamerika. Ganz wichtig: Die Impfung wird ausschließlich in zertifizierten Gelbfieberimpfstellen verabreicht.

 

Da es gegen Malaria keinen Impfschutz gibt: Was passiert, wenn ich mich trotz Mückenschutz anstecke?

Prof. Herbinger: Zunächst ist entscheidend, dass Sie alle vorbeugenden Maßnahmen ergreifen, also neben dem Mückenschutz auch einen Schutz gegen den Erreger in Form eines Malaria-Medikaments. Dazu sollten Sie sich von einem Reisemediziner individuell beraten lassen. Kommt es dennoch zu einer Infektion – einen hundertprozentigen Schutz gibt es nun einmal nicht – müssen Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Eine Malaria ist mit den richtigen Medikamenten heilbar, muss aber schnellstmöglich behandelt werden. Nur wenn kein Arzt erreichbar ist, können Sie ein Notfallmedikament einnehmen. Lassen Sie sich auch zu dieser notfallmäßigen Selbstbehandlung eingehend beraten!

 

Über Masern war zuletzt häufig in den Medien zu lesen. Wie sieht es mit dem Ansteckungsrisiko auf Reisen aus?

Dr. von Schrader-Beielstein: 2014 war die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes Costa Pacifica unter Quarantäne gestellt – aufgrund eines Masernausbruchs. Das größte Masernrisiko geht von ungeimpften Personen aus, denn sie ermöglichen die Weiterverbreitung der Krankheit – und die ist extrem ansteckend. Das ist auch der Grund dafür, dass es immer wieder zu regionalen Ausbreitungen kommt. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer geimpft ist, schützt sich selbst und unterbricht die Ansteckungskette einer Krankheit, die zudem mit schwerwiegenden Folgen verbunden sein kann. Rund zehn von 10.000 Masernkranken bekommen eine Gehirnentzündung, ein bis zwei von ihnen sterben.

 

Wo finde ich einen Reisemediziner in meiner Nähe?

Dr. Anne Kuhn: Adressen von Tropen- oder Reisemedizinern erhalten Sie über die Kassenärztliche Vereinigung, die Internetseite des Centrum für Reisemedizin sowie dem reisemedizinischen Infoservice Fit for travel (siehe Infokasten). Hier finden Sie auch Kontaktdaten von Apotheken mit reisemedizinisch geschulten Mitarbeitern sowie die Adressen der Gelbfieberimpfstellen. Eine weitere Möglichkeit sind die Reisepraxen des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin, die Sie deutschlandweit in Läden für Outdoor-Ausrüstung finden. Dort kann man sich vor der Reise beraten und auch gleich impfen lassen.

 

 

Infokasten

 

Anklicken & gesund bleiben:

Informationen zu sicherem Reisen im Netz

 

Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT)

Das BCRT bringt reisemedizinische Beratung dorthin, wo sich Reisende mit allem versorgen, was sie für ihren Trip benötigen: in die Filialen von Globetrotter, einem der größten europäischen Reiseausrüster. Erfahrene Ärzte beraten und impfen vor Ort, auch ohne Termin. In der Berliner Zentrale bietet das privat geführte Tropeninstitut infektiologische Spezialsprechstunden an, die von Patienten aus ganz Europa aufgesucht werden.

ð www.bcrt.de

 

Fit for Travel

Der reisemedizinische Infoservice „Fit for Travel“ informiert umfassend und aktuell zu mehr als 300 Reisezielen: mit Impf- und Malariaempfehlungen sowie zahlreichen Tipps zur Gesundheit auf Reisen. Unter „Ärztesuche“ finden Sie reisemedizinisch fortgebildete Ärzte, tropenmedizinische Einrichtungen oder Gelbfieber-Impfstellen in Ihrer Nähe. Der Service steht auch als Gratis-App zum Download bereit.

ð www.fit-for-travel.de

 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

„Wissen, was schützt“ – unter diesem Motto hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine umfassende Sammlung verständlicher und nichtkommerzieller Informationen zum Thema Impfen zusammengestellt. Das Angebot umfasst Entscheidungshilfen, Erklärvideos, Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie nach Alter gestaffelte Impfempfehlungen. Auch der aktuelle Impfkalender der Ständigen Impfkommission ist mit einem Klick abrufbar.

ð www.impfen-info.de

 

 

Die Experten am Lesertelefon waren:

 

  • Prof. Dr. med. Karl-Heinz Herbinger; Facharzt für Arbeitsmedizin, Tropenmedizin, Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin, Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Dr. med. Albrecht von Schrader-Beielstein; Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Praxis für Reise- und Tropenmedizin, Wörthsee bei München
  • Dr. med. Wolf Groth; Facharzt für Allgemeinmedizin, Dipl. Tropenmediziner, BCRT Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin
  • Dr. med. Anne Kuhn; Fachärztin für Innere Medizin, BCRT – Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin

 

Quelle: pr | nrw, Foto: Henrik Dolle - Fotolia.com



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