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„Ziel muss sein, den Knochenbruch zu vermeiden“

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Knochendichtemessung, Bewegung und Senkung des Sturzrisikos

Die Osteoporose gilt als stille Krankheit, zumindest in der Anfangsphase. Sie verursacht nur selten Schmerzen oder andere Symptome; der Abbau der Knochensubstanz geschieht unbemerkt im Verborgenen – bis als Warnsignal der erste Knochen bricht.

  

Spätestens jetzt ist entschiedenes Handeln in Form einer Therapie gefragt, die den Knochenabbau hemmt, den Knochen stärkt und weitere Brüche wirksam verhindert. Welche Behandlungsmöglichkeiten nach der ersten Knochenschwundfraktur bestehen und wie sich eine Osteoporose frühzeitig erkennen lässt, dazu informierten anlässlich des Welt-Osteoporose-Tags Expertinnen und Experten am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen.

 

Früherkennung und Vorbeugung

 

Wie kann ich mein Osteoporose-Risiko selbst einschätzen?

Dr. Thorsten Freikamp: Zunächst spielen genetische Fragen eine Rolle: Ist ein Elternteil von einer Osteoporose betroffen, ist Ihr Erkrankungsrisiko erhöht. Ebenso wichtig sind so genannte Lebensstil-Faktoren: Zuckerreiche Ernährung, Bewegungsmangel, Nikotinkonsum, aber auch Untergewicht zählen dazu. Ein weiterer wichtiger Hinweis sind die Abnahme der Körpergröße um mehr als sieben Zentimeter oder ein Wirbelkörperbruch ohne Unfallereignis. Generell empfiehlt sich die Durchführung eines Risikotests wie ihn der Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband unter www.osd-ev.org bereitstellt. Im Zweifel sollten Sie einen Arzt aufsuchen und mit ihm eine Risikoabschätzung durchführen.

 

Für wen ist eine Knochendichtemessung sinnvoll?

Dr. Christiane Karrenberg: Frauen und Männer mit einem erhöhten Frakturrisiko sollten ab dem 70. Lebensjahr grundsätzlich eine Knochendichtemessung machen lassen, ebenso Menschen ab 50, bei denen es bereits einmal zu einem Knochenbruch bei nur geringer Krafteinwirkung gekommen ist. Unabhängig vom Alter sollte eine Knochendichtemessung erfolgen, wenn bestimmte Medikamente über längere Zeit eingenommen werden. Cortison beispielsweise kann die Knochen auf Dauer erheblich schwächen. Auch Menschen mit bekannter Sturzneigung oder mit familiärer Vorbelastung sollten mit ihrem Arzt über eine Knochendichtemessung sprechen.

 

Was passiert bei einer Knochendichtemessung und was sagt das Messergebnis über mein Knochenbruchrisiko aus?

Dr. Friederike Thomasius: Bei der Messung kommen lokal begrenzt abgeschwächte Röntgenstrahlen mit sehr geringer Strahlenbelastung zum Einsatz. Eine spezielle Analyse gibt Aufschluss über den Knochenmineralgehalt und damit über die Knochenmasse. Diese Werte werden mit einem gesunden Normkollektiv verglichen. Eventuelle Abweichungen werden in Form von Standardabweichungen als T-Score ausgedrückt. Mit jeder Standardabweichung, die die Knochendichte von der Norm abweicht, verdoppelt sich das individuelle Knochenbruchrisiko. Da aber die Knochendichte ab dem 50. Lebensjahr ohnehin abnimmt, muss der T-Score immer auch abhängig vom Alter bewertet werden. Ein T-Score von -2,5 SD beispielsweise bedeutet in unterschiedlichen Lebensdekaden ein unterschiedlich hohes Knochenbruchrisiko.

 

Kann ich einer Osteoporose vorbeugen?

Dr. Ulrich Deuß: Durch eine gesunde Lebensweise kann man durchaus einer Osteoporose vorbeugen. Dazu zählt eine ausreichende Kalorienzufuhr mit dem Ziel eines normalen Körpergewichtes. Die Ernährung sollte ausgewogen sein, um eine adäquate Zufuhr von Calcium, Vitamin B12 und Folsäure zu gewährleisten. Aufs Rauchen hingegen sollten Sie unbedingt verzichten. Gehen Sie an die Sonne, denn der Körper braucht Sonnenlicht für die Bildung von Vitamin D. Zur Vorbeugung gehört nicht zuletzt auch regelmäßige körperliche Aktivität, die für eine gute Muskelkraft sorgt und damit die Festigkeit der Knochen unterstützt.

 

Nach einer Knochenschwundfraktur

 

Woran merke ich, dass ein Bruch auf Knochenschwund zurückzuführen ist?

Dr. Friederike Thomasius: Erst einmal gar nicht – und deshalb ist die eingehende Diagnostik so wichtig! Geht dem Bruch kein starkes Trauma voran, gab es also keine besondere Krafteinwirkung wie beim Sturz auf der Skipiste, dann stellt sich immer die Frage nach einer Osteoporose. So kann ein Sturz aus Standhöhe bei einer Osteoporose einen Oberschenkelhalsbruch hervorrufen, das Stoßen an einer Tischkante einen Rippenbruch. In jüngeren Jahren ab 50 ist auch der Unterarmbruch typisch bei Osteoporose. Besonders heikel sind Wirbelkörperfrakturen, die oft nur zufällig entdeckt werden, denn nicht jeder Wirbelbruch verursacht starke Schmerzen.

 

Warum bleiben Knochenschwundfrakturen unentdeckt?

Dr. Christiane Karrenberg: Wirbelbrüche beispielsweise können schon beim Heben oder Bücken auftreten, also ohne adäquates Trauma. Oftmals wird dann nur auf die resultierenden Rückenschmerzen hin behandelt, ohne nach deren Ursache zu forschen. Auch bei der Behandlung eines Knochenbruchs im Krankenhaus wird oft nicht an die Diagnose Osteoporose gedacht. In der Folge bleibt dann die medikamentöse Therapie der Osteoporose aus – das Risiko weiterer Brüche bleibt hoch. Der richtige Weg wäre, dass bei jeder Fraktur ohne adäquates Trauma untersucht wird, ob sie Folge eine Osteoporose ist. Hier können auch die Betroffenen einen Beitrag in eigener Sache leisten, indem sie ihren Arzt gezielt auf das Thema Osteoporose ansprechen.

 

Wie lässt sich das Risiko für weitere Knochenbrüche senken?

Dr. Ulrich Deuß: Zunächst, indem Sie konsequent knochengesund leben, also auf Ihr Körpergewicht achten, sich gesund ernähren und idealerweise mit einem gezielten Funktionstraining beginnen, das die Muskulatur kräftigt und damit die Knochen stärkt. Zweitens ist es wichtig, Situationen zu vermeiden, die zu einem erneuten Knochenbruch führen können. Es gilt also, das Risiko eines erneuten Sturzes so weit wie möglich einzudämmen.

 

Wie reduziere ich das Sturzrisiko?

Dr. Thorsten Freikamp: Zur so genannten Sturzprophylaxe gehören zum einen personenbezogene Maßnahmen wie die Förderung des Gleichgewichts, Bewegungstraining bei Gehstörungen sowie Kraft- und Ausdauertraining zur Förderung der Muskulatur. Zum anderen können medikamentenbezogene Maßnahmen helfen, zum Beispiel das Absetzen oder Anpassen von Medikamenten, die das Sturzrisiko erhöhen. Dazu zählen unter anderem Blutdrucksenker sowie Beruhigungs- und Schlafmittel. Drittens schließlich die umweltbezogenen Maßnahmen: Sie reichen von der Beseitigung von Stolperfallen wie losen Teppichen oder Kabeln über ausreichende Beleuchtung und das Anbringen von Haltegriffen bis zur Anpassung richtiger Schuhe oder dem Training mit Gehhilfen.

 

Welche Medikamente können bei Osteoporose eingesetzt werden?

Dr. Friederike Thomasius: Zunächst einmal die Basismedikation, die jeder zur Vorbeugung einer Osteoporose beachten sollte, also Vitamin D und Kalzium. Idealerweise deckt man diesen Bedarf über die Ernährung. Dann gibt es spezifische Medikamente, die Osteoporosepatienten vorbehalten sind. Hier unterscheiden wir zwischen solchen, die den Knochenabbau hemmen und solchen, die den Knochenaufbau fördern und Hochrisikopatienten vorbehalten sind. Manche Medikamente, die nur über einen bestimmten Zeitraum eingesetzt werden, erfordern nach Absetzen eine Anschlusstherapie mit einem länger wirksamen Medikament.

 

Was kann ich selbst tun, um meine Knochen zu stärken?

Dr. Christiane Karrenberg: Muskelkraft macht Knochendichte! Sorgen Sie für regelmäßige körperliche Aktivität – das verbessert Gleichgewicht, Koordination und Muskulatur. Außerdem sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D achten. Bei Kalzium ist die empfohlene Tagesdosis 1000 Milligramm, bei Vitamin D liegt sie bei 800 Einheiten pro Tag.

 

Kann ich trotz Osteoporose Sport treiben?

Dr. Thorsten Freikamp: Sie können nicht nur, Sie sollten sogar unbedingt! Durch regelmäßige Bewegung werden die Knochen wieder stärker und belastbarer. Wichtig sind vor allem Krafttraining zum Muskelaufbau und gezieltes Koordinationstraining. Eine spezielle Osteoporosegymnastik ist das so genannte Funktionstraining, das in Form von Trocken- oder Wassergymnastik angeboten wird und von den gesetzlichen Krankenkassen als Maßnahme der Rehabilitation unterstützt wird. Der Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V. (BfO) bietet solche Trainings in Zusammenarbeit mit erfahrenen Physiotherapeuten an. Weitere Informationen erhalten Sie über die Selbsthilfegruppen des BfO. Eine Liste der Ansprechpartner vor Ort finden Sie unter www.osteoporose-deutschland.de.

 

 

Infokasten

 

Mehr wissen – weniger Knochenbrüche

Informationen zu Osteoporose im Netz

 

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. (BfO)

Der BfO ist mit 15.000 Mitgliedern und bundesweit rund 300 Selbsthilfegruppen die größte Patientenvereinigung zum Thema Osteoporose in Deutschland. Er informiert unabhängig auf Grundlage des aktuellen Forschungsstands über das Krankheitsbild und hilft beim Aufbau und der Betreuung von Selbsthilfegruppen. Gleichzeitig organisiert und veranstaltet der BfO spezielle Funktionstrainings für Betroffene und schult Therapeuten in der Arbeit mit Osteoporose-Patienten.

8 www.osteoporose-deutschland.de

 

Warnsignal Knochenbruch

Über den Themenschwerpunkt „Knochenschwundfrakturen“ informiert das pharmazeutische Unternehmen UCB auf einer eigenen Website. Hier finden Interessierte und Betroffene verständlich aufbereitete Informationen zur Entstehung von Osteoporose, den Auswirkungen von Knochenschwundfrakturen und zum Thema Knochendichtemessung.

8 www.warnsignal-knochenbruch.de

 

Behandlungsleitlinie

Unter der Federführung des Dachverband Osteologie e.V. wurde im Februar 2019 die Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose“ aktualisiert. Die Leitlinie richtet sich primär an Mediziner und andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen, aber auch an Erkrankte sowie an Menschen, die von einem erhöhten Osteoporose-Risiko betroffen sind oder bei denen der Verdacht auf eine Osteoporose besteht.

8 www.awmf.org

 

 

Die Expertinnen und Experten am Lesertelefon im Überblick:

 

  • Dr. med. Christiane Karrenberg; Niedergelassene Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie; Osteologin DVO; Sportmedizin, Chirotherapie, Akupunktur; Osteologisches Schwerpunktzentrum DVO; Rösrath
  • Dr. med. Friederike Thomasius; Osteologin DVO, Innere Medizin, Koordinatorin der Leitlinienkommission Osteoporose des DVO (Dachverband Osteologie e.V.); Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum; Frankfurt/Main
  • Dr. med. Ulrich Deuß; Facharzt für Innere Medizin und Endokrinologie; Ärztlicher Leiter des MVZ Medicover Köln; Schwerpunktzentrum Osteologie
  • Dr. Thorsten Freikamp; Geschäftsführer des Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V.; Düsseldorf

 

Quelle: pr | nrw, Foto: Clipdealer



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