.

„Je früher eine Lebererkrankung entdeckt wird, desto besser die Behandlungsmöglichkeiten“

Deutscher Lebertag 2019

Lebervorsorge durch Früherkennung und gesunden Lebensstil

Erkrankungen der Leber sind tückisch: Sie verursachen zunächst nur unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Juckreiz oder übermäßiges Schwitzen. Zudem empfinden viele Betroffenen keine Schmerzen, da die Leber nur selten Schmerzsignale aussendet.

       

Wird eine Virus-Hepatitis oder Fettlebererkrankung jedoch nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, steigt das Risiko für eine Leberzirrhose und für Leberkrebs an. Umgekehrt gilt: Wird die Diagnose frühzeitig gestellt, lässt sich eine Lebererkrankung oft schon durch Anpassung der Lebensgewohnheiten wie Bewegung und Ernährung in den Griff bekommen. Doch wie funktioniert die Früherkennung? Wer sollte sich untersuchen lassen? Und wie geht es bei erhöhten Leberwerten weiter? Die wichtigsten Fragen der Leserinnen und Leser am Expertentelefon anlässlich des Deutschen Lebertags 2019 beantwortet Dr. med. Michael Nagel, Projektleiter des Lebervorsorgeprogramms SEAL der Universitätskliniken Mainz und des Saarlands.

 

Woran kann ich eine Erkrankung der Leber überhaupt erkennen?

Dr. med. Michael Nagel: Lebererkrankungen verlaufen häufig symptomlos. Je nach Schweregrad können Juckreiz, Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Weitere Symptome einer schwerwiegenderen Lebererkrankung sind eine Gelbfärbung der Augen sowie der Haut. Zudem kann es bei einer Entzündung der Leber zu Oberbauchschmerzen kommen. Im Spätstadium einer chronischen Lebererkrankung kann es zu einer Vergrößerung des Bauchumfangs und zu kognitiven Einschränkungen kommen.

 

Gibt es Menschen, die ein besonders hohes Risiko für eine Lebererkrankung haben?

Dr. med. Michael Nagel: Die häufigsten Ursachen für eine chronische Lebererkrankung sind hierzulande übermäßiger Alkoholkonsum sowie Übergewicht mit ungesunder Ernährung und eine Diabeteserkrankung. Patienten mit weit zurückliegender Bluttransfusion, Kontakt zu Patienten mit bekannter viraler Lebererkrankung, nach intravenösem Drogenkonsum und Dialyse haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko, an einer viralen Lebererkrankung zu erkranken.

 

Kann ich einer Lebererkrankung vorbeugen?

Dr. med. Michael Nagel: Die meisten chronischen Lebererkrankungen können durch gesunden Lebensstil verhindert werden. Ausreichende Bewegung, gesunde Ernährung und moderater Alkoholkonsum sind dabei besonders wichtig. Gegen eine Hepatitis A und B existieren Impfprogramme. Zudem kann eine Hepatitis C heute in fast allen Fällen mit einer einfachen Tablettentherapie geheilt werden.

 

Gibt es so etwas wie einen Risiko-Test?

Dr. med. Michael Nagel: Aktuell gibt es in der etablierten Vorsorge keine offiziellen Risikotests. Neben den Leberwerten in der Blutuntersuchung stellt der Ultraschall der Leber die optimale Diagnostik zum Nachweis einer Lebererkrankung da. Diese Methoden kombiniert das SEAL Lebervorsorgeprogramm, um eine fortgeschrittene Lebererkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Je früher eine Lebererkrankung entdeckt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.

 

An wen wende ich mich, wenn ich meine Leberwerte untersuchen lassen will – und wie läuft die Untersuchung ab?

Dr. med. Michael Nagel: Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung und bestehenden Risikofaktoren sollte primär der Hausarzt angesprochen werden. Anhand einfacher Laboruntersuchungen können schon eine Vielzahl der Lebererkrankungen identifiziert werden. Neben der Blutuntersuchung ist der Ultraschall der Leber eine weitere wichtige Untersuchung um den Schweregrad einer möglichen Lebererkrankung einzuschätzen.

 

Warum werden Leberwerte nicht automatisch beim Check-up 35 ermittelt?

Dr. med. Michael Nagel: Die Ermittlung von Laborwerten, die Aufschluss über die Gesundheit der Leber geben, zählt nicht zum festgelegten Leistungsumfang des Gesundheits-Checks der gesetzlichen Krankenkassen. Allerdings haben Patienten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die bei der AOK versichert sind, die Möglichkeit, am SEAL Lebervorsorgeprogramm teilzunehmen. Sprechen Sie Ihren Hausarzt auf eine Teilnahme an. Falls Ihr Hausarzt kein teilnehmender SEAL Arzt ist, kann er jederzeit völlig unkompliziert dem SEAL Lebervorsorgeprogramm beitreten. Informationen gibt es unter www.lebervorsorge.de.

 

Wird die Lebervorsorge zukünftig von allen Krankenkassen bezahlt?

Dr. med. Michael Nagel: Ziel des vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geförderten Pilotprojektes SEAL ist es, den aktuellen Check Up, der jedem Patienten ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre zusteht, um Leberwerte zu ergänzen. Durch diese Erweiterung soll die Entwicklung schwerwiegender chronischer Lebererkrankungen verhindert und Patienten frühzeitig einer entsprechenden Therapie zugeführt werden. Wird das Pilotprojekt vom G-BA positiv beurteilt, kann die Ermittlung der Leberwerte deutschlandweit in den Check Up für alle Patienten aufgenommen werden.

 

Was bedeuten Leberwerte wie Gamma-GT, GOT oder GPT?

Dr. med. Michael Nagel: GPT und GOT sind Enzyme, die bei Schädigung und Zerstörung der Leberzellen ins Blut abgegeben werden und dort als Marker für einen Leberschaden verwendet werden. Zusätzlich gibt es Werte wie die Gamma-GT, die bei bestimmten schädigenden Stoffen, die auf die Leber einwirken, erhöht sind. Mit Hilfe dieser Blutwerte können wichtige Informationen über die Schwere der Lebererkrankung gewonnen werden.

 

Wie oft sollten Leberwerte gecheckt werden?

Dr. med. Michael Nagel: Grundsätzlich muss man die Bestimmung der Leberwerte von bekannten chronischen Lebererkrankungen und dem Lebensstil abhängig machen. Bei erhöhten Leberwerten sollte vor allem nach der Ursache gesucht und diese behandelt werden.

 

Wie geht es weiter, wenn Werte erhöht sind?

Dr. med. Michael Nagel: Durch die Teilnahme am SEAL Lebervorsorgeprogramm erfolgt mittels der Blutwerte eine erste Einschätzung der Schwere der Lebererkrankung. Wird ein erhöhtes Risiko festgestellt, erfolgt eine Weiterleitung zum Facharzt für Lebererkrankung. Hier werden weitere Blutuntersuchungen sowie ein Ultraschall der Leber durchgeführt. Bei Auffälligkeiten erfolgt anschließend eine Weiterleitung an ein Leberzentrum. Hier kann die Lebererkrankung durch spezielle Ultraschallverfahren und Blutuntersuchungen weiter abgeklärt und anschließend behandelt werden – häufig ohne eine Gewebeprobe aus der Leber entnehmen zu müssen.

 

 

Infokasten

 

SEAL – Lebervorsorge statt Spätkomplikationen

Gesetzlich gefördertes Vorsorgeprogramm exklusiv in Rheinland-Pfalz und dem Saarland

 

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den gesetzlichen Auftrag, neue Versorgungsformen und Forschungsprojekte zu fördern, die über die bisherige Regelversorgung hinausgehen und zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung ausgerichtet sind. Das Projekt SEAL (Strukturierte Früh-Erkennung einer Asymptomatischen Leberzirrhose) erprobt, inwieweit ein Leberwert-Screening beim Hausarzt dabei hilft, den Anteil früh diagnostizierter Erkrankter zu erhöhen und wirksam zu behandeln. Allen über 35-jährigen AOK-Versicherten in Rheinland-Pfalz und im Saarland wird angeboten, sich im Zuge des regelmäßigen medizinischen Check-Up beim Hausarzt ihren persönlichen Leber-Risikowert ermitteln zu lassen[1].

 

8 Weitere Informationen für Hausärzte und Patienten unter www.lebervorsorge.de

 

 

 

Die Fragen beantwortete:

 

  • Dr. med. Michael Nagel; Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Projektleiter des SEAL-Programms, I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz




Suche

Suche

Facebook

.

xxnoxx_zaehler