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"Ein gesunder Rasen muss nicht vertikutiert werden"

Expertentipps für die Rasenpflege

Buchstäblich im Mittelpunkt der meisten Gärten hierzulande steht ein grüner, gesunder und dichter Rasen. Doch zu Beginn der Gartensaison ist es bis dahin noch ein weiter Weg. Hier hat Moos die Rasenpflanzen verdrängt, dort tun sich Lücken auf, der Rasen ist verfärbt und der Wuchs kommt nicht voran. 

 

Jetzt braucht das Grün ein ordentliches Pflegeprogramm, manchmal ist sogar eine gründliche Sanierung fällig. Worauf es beim Säen, Mähen, Vertikutieren, Wässern und Düngen ankommt, dazu informierten Gartenprofis in der Sprechzeit. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

 

Das Moos wächst prima – der Rasen nicht. Was mache ich falsch?

Ingo Schlieder: Gute Voraussetzungen für einen moosfreien Rasen sind ein heller, möglichst sonniger Standort, eine gleichmäßige Versorgung des Bodens mit Humus und regelmäßige Düngung. Ein zu tiefes Mähen führt zu geschwächten Gräsern, die sich nicht gegen Moos durchsetzen können. Dieses Problem potenziert sich, wenn der Rasen zu kurz in den Winter geschickt wird. Dann bildet sich Moos auch an sonnigen Standorten. Paradoxerweise führt auch das noch immer beliebte Ausbringen von Eisendünger oder Rasendünger mit Moosvernichter (Eisen-II-Sulfat) auf lange Sicht zu mehr Moosbefall. Der kurzfristige „Erfolg“ führt auf Dauer unweigerlich zu einer massiven Bodenversauerung.

 

Mein Rasen hat eine blasse, eher gelbliche Färbung. Was fehlt ihm?

Dieke van Dieken: Dem grünen Teppich wird vor allem durch das regelmäßige Mähen viel Substanz entzogen. Doch Rasen braucht für einen guten, gesunden Wuchs reichlich Nährstoffe. Die können Sie ihm über eine bedarfsgerechte Düngung zurückgeben. Wählen Sie dazu grundsätzlich hochwertige Rasendünger, die in ihrer Nährstoffzusammensetzung auf die besonderen Ansprüche des Rasengrüns ausgerichtet sind.

 

Woran erkenne ich, ob der Boden in Ordnung ist?

Ingo Schlieder: Ein guter Boden ist dunkelbraun gefärbt und hat eine krümelige Struktur. Viele Rasenflächen enthalten aber durch einseitige, rein mineralische Düngung nur noch wenig Humus. Das führt zu Oberflächenverdichtung, schlechtem Wurzelwachstum und Platz für Unkräuter. Gräser benötigen einen schwach-sauren bis neutralen Boden. Einmal im Jahr sollte man den pH-Wert des Bodens messen. Dazu gibt es im Fachhandel einen pH-Test mit Aufkalkungstabelle. Kalk ist nicht nur ein wichtiger Nährstoff für die Pflanze, er verhindert auch die Auswaschung vieler anderer Nährstoffe aus dem Boden und erhält die Krümelstruktur. Rasenkalk sollte in den Wintermonaten ausgebracht werden, dann hat er Zeit zu wirken und eine Übersäuerung des Bodens abzumildern. Mit einer jährlichen Kalkgabe von 100 bis 150 Gramm kohlensaurem Kalk (Calciumcarbonat) pro Quadratmeter machen Sie alles richtig, ohne den pH-Wert zu stark zu verändern.

 

Welcher Dünger ist der richtige und wie oft soll ich ihn ausbringen?

Sabine Kingelhöfer: Am besten ist ein hochwertiger organischer Dünger. Darin sind immer neben den Nährstoffen auch noch viele Spurenelemente enthalten, die den Rasen zusätzlich stärken. Spezielle organische Dünger wie der Azet Rasendünger enthalten zusätzlich bodenbelebende Mikroorganismen, die Rasenfilz schnell zersetzen, sowie natürliche Mykorrhiza-Pilze. Diese sorgen dafür, dass die Wurzeln auch noch Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen können. Damit ist der Rasen besser vor Schäden durch Trockenheit geschützt. Düngen sollte man mindestens zweimal im Jahr, im März/April und im September/Oktober. Sieht der Rasen sehr blassgrün und schütter aus, kann eine dritte Düngung im Mai/Juni notwendig sein.

 

Vertikutieren – ja oder nein? Und wie mache ich es richtig?

Sabine Klingelhöfer: Das Vertikutieren sollte keine Standardmaßnahme in der Rasenpflege sein. Es ist nur nötig, wenn der Rasen voller Moos, Unkraut und Rasenfilz ist. Das ist aber nur dann der Fall, wenn der Rasen kaum oder nicht richtig gedüngt wird. Wer zweimal jährlich organischen Dünger verwendet, braucht in der Regel nicht zu vertikutieren. Wenn aber vertikutiert werden muss, bitte erst etwa zwei Wochen nach der Düngung, frühestens Ende April. Dann ist der Rasen schon im Wachstum und kann schnell regenerieren. Und auf keinen Fall zu tief vertikutieren – es ist keine Bodenbearbeitungsmaßnahme! Der Boden soll nur leicht angeritzt werden, maximal drei Millimeter tief.

 

Worauf muss ich beim Nachsäen achten? Welche Rasensaat ist geeignet?

Sabine Klingelhöfer: Nach dem Vertikutieren muss häufig nachgesät werden, weil der verbliebene Rasen stark ausgedünnt ist. Da hilft ein schnell keimender Vertikutier-Mix wie der Terra Vital Rasensanierer. Er sorgt schnell für dichten Rasen, denn er enthält neben den Rasensamen gleichzeitig noch einen organischen Rasendünger und einen Bodenverbesserer.

 

Seit Jahren wächst mein Rasen immer schlechter. Nun überlege ich, ihn komplett neu anzulegen…

Dieke van Dieken: Der beste Zeitpunkt, um einen Rasen neu anzulegen, ist der Frühling oder der Herbst. Die Fläche muss zunächst gut gelockert, von Unkraut befreit und eingeebnet werden. Rasensamen werden am besten mit dem Streuwagen ausgebracht. Anschließend werden sie leicht in den Boden eingeharkt, angewalzt und gut gewässert. Eine Alternative zur Aussaat ist Rollrasen. Die Bodenvorbereitung ist dieselbe wie bei der Aussaat, zusätzlich sollte ein Volldünger ausgebracht werden. Auch hier gilt: Mit einer Walze gut andrücken und wässern. Vor allem im Frühjahr sollten Sie neuen Rollrasen in den ersten Wochen und Monaten ausreichend wässern, denn die Gräser brauchen eine Weile, bis sie richtig tief eingewurzelt sind.

 

Was hilft bei Hitzeschäden – was beugt ihnen vor?

Ingo Schlieder: Um Hitzeschäden wie in den vergangenen Jahren zu vermeiden, sollten Sie den Rasen möglichst in den Morgenstunden wässern. Dann ist das kostbare Nass für die Gräser am Tage verfügbar. Eine kürzere Beregnung am Abend sorgt dann dafür, dass der Boden über Nacht nicht austrocknet. Es gibt organische Dünger, die mit Mykorrhiza-Pilzen angereichert sind. Diese Pilze leben in Symbiose mit den Wurzeln und vergrößern deren Oberfläche auf ein Vielfaches. Dadurch werden die Gräser gegenüber Trockenheit deutlich widerstandsfähiger. Wichtig ist es, den Rasen nie zu kurz zu mähen. Gerade an sonnenexponierten Stellen können die Gräser sich sonst keinen eigenen Schatten spenden und die Wurzeln werden weiter geschädigt.

 

Was tun bei Lücken im Rasen?

Sabine Klingelhöfer: Rasenlücken zeigen sich häufig im Frühjahr. Vorbeugend hilft es, wenn man im Herbst noch einen kaliumbetonten Herbstrasendünger ausbringt. Er sorgt für kräftigen Rasen, dem Schnee und Frost nicht viel anhaben können. Sind die Lücken da, gehen Sie Schritt für Schritt vor: Rasen- und Unkrautreste von der Fläche entfernen und die Stelle mit einem Handgrubber oder einer Harke leicht aufrauen. Dann eine schnell keimende Rasenreparatur, zum Beispiel Lückenlos, aufstreuen und mit dem Fuß oder Trittbrettern leicht andrücken. Gründlich angießen und die nächste Zeit feucht halten. Das erste Mal mähen, wenn die Halme etwa zehn Zentimeter lang sind.

 

Wie häufig und wie kurz soll ich mähen?

Dieke van Dieken: Regelmäßiges Mähen ist für einen schönen Rasen die wichtigste Pflegemaßnahme. Durch den wiederkehrenden Schnitt verzweigen sich die Gräser an der Basis und die Fläche bleibt schön dicht. Alle sieben Tage gilt als Richtwert für die Mähfrequenz. Im Mai und Juni, wenn die Gräser besonders schnell wachsen, kann man auch zweimal wöchentlich mähen. Als Faustregel gilt: Nie mehr als ein Drittel der Rasenlänge kappen. Bei einer Zielhöhe von fünf Zentimetern sollte man also erst mähen, wenn der Rasen etwa acht Zentimeter lang ist. Die Mähhäufigkeit hängt auch vom Rasen-Saatgut ab: Ältere, ausgewogen gedüngte Rasenflächen aus Qualitätssaatgut wachsen im Jahresverlauf durchschnittlich 2,5 Zentimeter pro Woche. Verwendet man eine Billigmischung, muss man häufiger mähen.

 

Ich möchte einen Mähroboter anschaffen, zögere aber, weil mir die Einrichtung zu kompliziert ist…

Frank Leger: Die Einrichtung ist einfacher und schneller erledigt als man annehmen könnte. Kurze, verständliche Erklärvideos, zum Beispiel im Youtube-Kanal von Gardena, leiten Sie Schritt für Schritt durch die Installation. Wenn sie die Inbetriebnahme nicht selbst vornehmen wollen, vermitteln wir Ihnen einen Servicepartner, der die Einrichtung in Ihrem Garten übernimmt.

 

Mein Garten ist eher klein, mit Ecken und Winkeln. Können Mähroboter auch solche Flächen mähen?

Frank Leger: Heute gibt es auch spezielle Mähroboter für kleine Flächen mit engen Passagen. Wendige Mäher wie der Sileno Minimo bewältigen Flächen bereits ab 60 Zentimeter Breite und können sogar runde Flächen spiralförmig mähen. Die Wahl des passenden Mähers hängt stark von den Gegebenheiten des Gartens ab und kann angesichts des breiten Angebots eine echte Herausforderung sein. Beratungsmodule der Anbieter führen anhand weniger Fragen zum passenden Modell.

 

Wie viel Wasser braucht der Boden?

Frank Leger: Damit der Boden bis in die Wurzeltiefe des Rasens genügend feucht bleibt, muss ausreichend bewässert werden – nicht nur kurz und oberflächlich. Testen lässt sich das, indem Sie mit dem Spaten eine Probe ausheben. Achtung: Zu viel Wasser auf einmal auf einen trockenen, harten Boden zu geben, bringt nichts. Das Wasser fließt nur oberflächlich ab, statt ins Erdreich einzudringen. Bringen Sie erst eine kleinere Wassermenge zum Einschlämmen aus und wässern Sie ausgiebig, sobald die Oberfläche aufgeweicht ist. Das Wässern lässt sich auch vollautomatisch steuern: Smarte Systeme wie das von Gardena beziehen sogar die Zeit von Sonnenauf- und -untergang sowie die lokale Wettervorhersage aus dem Internet ein.

 

Kann ich die Bodenfeuchte messen, um sparsam zu wässern?

Frank Leger: Wenn der Boden bereits ausreichend feucht ist, zum Beispiel weil es ausgiebig geregnet hat, braucht man natürlich nicht mehr zusätzlich bewässern. Ein ausschließlich zeitgesteuertes System bekommt das aber nicht mit. Ergänzt man die automatische Bewässerung um einen Smart Sensor, der Bodenfeuchte und -temperatur misst, wird eine überflüssige Bewässerung sicher vermieden. Mit anderen Worten: Sie sparen Wasser.

 

Weitere Informationen unter:

 

 

Die Expert:innen am Lesertelefon waren:

 

  • Sabine Klingelhöfer: Gartenbauingenieurin, W. Neudorff GmbH KG, Emmerthal
  • Ingo Schlieder: Gärtnermeister Fachrichtung Baumschule und selbstständiger „Gartendoktor“, Mettmann 
  • Frank Leger: Experte für Bewässerungsplanung, Gardena GmbH, Ulm
  • Dieke van Dieken: Diplom-Ingenieur (FH) und Redakteur bei MEIN SCHÖNER GARTEN für alle Themen rund um die Gartenpraxis
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Quelle: sprechzeit, Foto: Neudorff



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